Von der Entstehung bis ins 20. Jahrhundert

htg 04Nach mündlicher Überlieferung entstand der Huttanz 1648 beim Westfälischen Frieden am Ende des 30-jährigen Krieges. Man geht davon aus, daß der Huttanz in ähnlicher Form wie heute abgehalten wurde; jedoch liegen über die Abwicklung des Festes im 17. und 18. Jahrhundert keine Unterlagen vor. Es ist nur bekannt, daß Hahnentänze und Hammelläufe in dieser Zeit ein viel geübter Brauch waren. Diese haben sich aber bis auf wenige nicht weiter erhalten, schon gar nicht in annähernd gleicher traditionsmäßigkeit wie in Eybach. An Ende des 19. Jahrhunderts muß sich der Huttanz, Erzählungen alter Eybacher zufolge, gleich abgespielt haben wie heute, nur eben einfacher und mit weniger Aufwand(Das ganze Fest fand am Sonntag beziehungsweise manchmal auch am Montag, dem sogenannten Kichweihmontag, statt.). Den uns bekannten Zuschauerzahlen zufolge muß es aber ein recht attraktives Fest gewesen sein.

Von 1900 bis zum Ersten Weltkrieg

Von dieser Zeit liegen bereits genauere Aufzeichnungen vor. Das Fest wurde nun schon in zwei Teile geteilt: mittags war der Huttanz für die Kinder und abends war Tanz für die ältere Jugend. Die GZ beschrieb den Abend mit den Worten wo man sich in den Wirtshäusern gütlich thut\ Diese Tanzveranstaltungen waren Zeitungsberichten zufolge immer so gut besucht, daß alle Gaststätten an diesem Abend voll waren. Man sollte meinen, dies wären die besten Jahre des Eybacher Huttanzes gewesen; dem war aber nicht so.Denn obwohl man 1907 den Bestand des Huttanzes mit den Worten und es ist ganz in Ordnung, wenn solche Gebräuche pietätvoll aufrecht erhalten bleiben für gut befindet, wird bereits 1912, als die Huttanzgesellschaft in schweren finanziellen Nöten war (Die Beschaffung des Hutes riß ein großes Loch in die Kasse), über deren Erhalt spekuliert. Die GZ meinte dazu:Die Erhaltung derartiger alter, Harmlosere Volkssitten ist zu begrüßen, aber auch sie werden allmälich der neuen Zeit weichen müssen und (...)immer mehr der Vergangenheit angehören. Doch die Huttanzgesellschaft hat auch diese Zeit überstanden. Nur während des Ersten Weltkrieges wurden einige Male kein Huttanz gefeiert; sei es, weil die Mitglieder der Huttanzgesellschaft an der Front waren, sei es Mangels finanzieller Mittel oder einfach, weil man in Kriegszeiten keine solchen Feste feiert.

Zwischen den Kriegen (1919-1945)

Beim ersten Huttanz nach dem Krieg (1919) war schon wieder sehr viel los. Während der nächsten Jahre (bis 1930) gibt es über den Huttanz nichts besonderes zu berichten; er wurde Abgehalten wie gewohnt, zwischendurch aufgewertet durch ein Handballspiel am Sonntagnachmittag. Aber 1931 bekam die Huttanzgesellschaft die Auswirkungen der Weltwirtschaftskriese am eigenen Leib zu spüren. Sie war nicht mehr in der Lage, den Huttanz aus eigener Kraft zu finanzieren. An dieser Stelle schaltete sich der Gemeindrat ein und Übernahm den Huttanz; jedoch nicht nur in finanzieller Sicht, sondern total. Dies ging soweit, daß der Gemeinderat mit der Tradition brach und den Bürgermeister als Präsidenten der Huttanzgesellschaft mit allen Rechten und Pflichten einsetzte. Der Huttanz wurde also abgehalten, doch die Huttanzgesellschaft boykottierte. Anscheinend war auch die Freude darüber in der Bevölkerung nicht sehr groß, denn dies blieb ein einmaliges Vorkommniss. In den 30er Jahren wurde dann auch der Huttanz für die Erwachsenen eingeführt, mit einer eigenen Veranstaltung am Samstagabend, bei der immer mehr Darbietungen stattfanden. Während der Zeit des Nationalsozialismus hätten es einige gen gesehen, wenn die Huttanzgesellschaft in braunen Uniformen zum Festplatz marschiert wäre; man blieb jedoch der Zivilkleidung treu. Der Huttanz wurde in diesere Zeit, da Massenveranstaltungen ja durchaus beliebt waren, natürlich gern gesehen und so ist von keiner Auseinandersetzung mit der Obrigkeit zu berichten. Die, nicht ganz unabhängige, Presse von 1935 schrieb dazu: Die Gemeinde hat den Willen bekundet, ihr historisches Dorffest zu erhalten und weiter auszubauen. Der Möglichkeiten gibt es hier noch viele und gerade unser neuer Staat (der NS-Staat; Anm. d. Red.) legt Wert auf Erhaltung herkömmlichen Brauchtums. Mögen der Gemeinde Eybach im Zuge ihrer Bestrebungen schöne Erfolge beschieden sein.: In den Aufzeichnungen läßt sich Jedoch nichts finden, daß sich die Huttanzgesellschaft in irgend einer Weisepolitisch oder ideologisch betätigt hat. Im Jahre 1937 wurde sogar allgemeine Beflaggung angeordnet. 1938 fand noch ein Huttanz unter einem Wilhelm Pressmar statt; der letzte vor dem Zweiten Weltkrieg. Einige Monate später waren die Mitglieder der Huttanzgesellschaft größtenteils schon in den Krieg gezogen und so fand während des Krieges sechs Mal kein Huttanz statt.

Von 1945 bis heute

Am 20.Oktober 1945 fand der erste Huttanz nach dem Krieg statt und es wurden wie auch in den darauffolgenden Jahren massenhaft Besucher verzeichnet. 1949 wurde sogar die Turnhalle in das Tanzgeschehen mit eingebunden, um ein zu starkes Gedränge in den Gaststätten zu vermeiden. Seit 1950 spendiert der Gemeinderat die Schokolade für die teilnehmenden Kinder am Huttanzsonntag. Im Jahre1951 wurde der Huttanz wegen der im Land ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche offiziell verboten. Um die Kinder, die sich ja das ganze Jahr schon auf den Tag gefreut hatten, nicht zu sehr zu enttäuschen, führte der damalige Bürgermeister Straub im Wiesental eine Kinderbescherungdurch: Die Kinder gingen wie gewohnt in Pärchen im Kreis und jedes Kind bekam trotz allem eine Brezel und eine Tafel Schokolade. Es war eigentlich wie am Huttanz, nur gab es keine Gewinner und das Ganze wurde vom Bürgermeister durchgeführt. In der Eybacher Ortschronk ist jedoch verzeichnet:Der 303. Eybacher Huttanz am 21. Oktober der Maul- und Klauenseuche zum Opfer gefallen. Oftmals versuchte man am Huttanz einen Heißluftballon steigen zu lassen, doch immer wieder mißglückte das Vorhaben, denn kaum war der Ballon in der Luft, ging er schon in Flammen auf; nicht so 1954, endlich hatte man es geschafft und der Ballon stieg in die Lüfte bis er sich den Blicken der Zuschauer entzog. Wie schon 1951 so war auch 1957 kein Glücksjahr des Huttanzes. Zwar durfte der Huttanz trotz der im ganzen Land grassierenden Grippe abgehalten werden, doch konnte der Präsident aufgrund eben dieser Erkrankung seine Festrede nicht selbst halten. Dies ist das einzige Mal in unseren Aufzeichnungen, daß diese ehrenvolle Aufgabe dem stellvertretenden Präsidenten übertragen wurde. Beim Huttanz 1963 war das Fernsehen da. Der Süddeutsche Rundfunk sendete eine Live-Berichterstattung vom Eybacher Huttanz. Für die damalige Zeit etwas ganz besonderes. Der Samstgabend schien mit der Zeit nicht mehr die Besuchermassen anzuziehen, wie anfangs. So kam man 1970 auf die Idee eine Miss Huttanz zu küren. Dieses Unternehmen erwies sich jedoch als ziemlich schwierig, da sich keine Bewerberinnen fanden. Doch auch hier konnte eine Lösung gefunden werden und so wurde die Miss Huttanz 1970 gekürt und durfte am Sonntagneben dem Präsidenten im Umzug mitgehen. Der Präsident erzählte später, es sei ihm gar nicht gut zumute gewesen und außerdem hatte die Aktion nicht den gewünschten Effeckt gehabt. Folglich gab es in 350 Jahren lediglich eine "Miss Huttanz". Im folgenden Jahr gab es ebenfalls eine Neuerung, die einmalig war: anstatt der sonst immer verteilten Brezeln gab es 1971 Bananen und Orangen. Nun kamen die Jahre dere Eingemeindung; 1972 fand der letzte Huttanz im eigenständigen Eybach statt, an der Ausführung des Huttanzes änderte sich jedoch nichts, außer daß nun auch der Geislinger Oberbürgermeister im Festzug mitgeht. 1975 und 1976 waren wieder zwei Kriesenjahre der Huttanzgesellschaft. 1975 fand die 700-Jahr-Feier Eybachs statt, doch die Huttanzgesellschaft hatte keinen Präsidenten. 
So mußte nach langen Diskussionen ein Mitglied, das noch nie Präsident war, seine für August geplante Hochzeit nin einige Woche verlegen, der Huttanz wurde einmalig in den August vorverlegt und besagtes Mitglied wurde alsdann Präsident. Die Präsidentensuche erwies sich als immer schwieriger, wohl auch deswegen, weil die Mitgliederzahlen stark zurückgingen. Im Jahr 1976 bestand die Huttanzgesellschaft lediglich aus 10 Mitgliedern. Doch auch diese Hürde wurde geschafft. Zwei Jahre später beschloss man, den Huttanz aufgrund der andauernd schlechten Witterung Mitte Oktober auf den dritten Sonntag im September zu verlegen, was sich als gut erwiesen hat und seither beibehalten wird.