Der dreißigjährige Krieg 1616-1648 tobte in Deutschland und brachte unsagbares Leid über das kleine Dorf Eybach unter dem Himmelsfelsen und über die umliegenden Albgemeinden. Die drei Schlegelhöfe beim Christofshof wurden Opfer der durchziehenden Soldaten und in Eybach selbst zündeten die Schweden nach der Chronik eine Bäckerei an. Es gab keine Milch für die Kinder, das Vieh nahm eine durchziehende Soldateska mit. Dann war der Krieg zu Ende und nach dem Westfälischen Frieden freute man sich, feierte Freudenfeste, auf der Alb in den Bauerngemeinden Hammelläufe und in Eybach den Huttanz. Das Eybacher Nationalfest war geboren. Soweit die Chronik beurkundet, waren immer junge, ledige eybacher Männer die Ausrichter und Veranstalter des Festes. Es begann an einem Samstag des 3. Oktober-Wochenendes mit dem sogenannten Festbankett. In den 5 Gasthäusern war Hochbetrieb, später, als der Turnverein im Jahre 1924 im Roggental die Turnhalle erbaute, vollzog sich das Fest zum großen Teil dort. Am darauffolgenden Sonntagmorgen wurde der Festtag mit Böllern eingeleitet. Im Wiesental waren kreisförmig Holzpflöcke in den Boden gerammt und diese mit einem Seil verbunden. Gegen 13 Uhr nachmittags formierte sich der Huttanzfestzug im Ortskern, voran eine Musikkapelle, in früheren Jahren die WMF-Kapelle, später die Stadtkapelle Geislingen und seit 20 Jahren spielt nun der Musikverein Eybach. Der Kapelle folgt ein Huttanzmitglied mit einem Schubkarren, auf dem ein volles Bierfass zum Festplatz geführt wird, dann trugen drei Starke Burschen die Stange mit dem schweren Tannenkranz, auf dem die Huttanztrophäen, Hut, Schal, Würste und Brezel baumelten, im gleichen Schritt und Tritt marschierten die Mitglieder der Huttanzgesellschaft, dazu noch die Honoratioren des Ortes. Den Schluss bildeten dann die Kinderpärchen, jeder Bub führte ein Mädchen an der Hand, jeder Huttänzer seine Huttänzerin, die er schon seit einigen Wochen ausgesucht hatte. Im Wiesental beim Festplatz angekommen, formierte sich die Gesellschaft samt den Musikern im Gebiet des Umspannten Kreises und die Kinder trippelten im Kreis um das von Pfosten zu Pfosten umspannte Seil. Der Vorsitzende der Gesellschaft, stets in Frack und Zylinder, reichte den sogenannten Huttanzstrauß von Kinderhand zu Kinderhand; von einem Pfosten zum anderen durfte ein Bub den Strauß in der Hand halten und mußte denselben dann dem hinter ihm gehenden weiterreichen. Frei auf dem mitgeführten Bierfass stehend, hielt nun der Vorsitzende der Huttanzgesellschaft seine traditionelle Festrede. Er begrüßte die vielen Festgäste, berichtete kurz über die Geschichte des Eybacher Heimatfestes. Als besondere Festgabe erhielten alle mitlaufenden Kinder Schokolade, welche die Gemeinde stiftete und große Brezeln als Geschenk der Huttanzgesellschaft. Die Musikkapelle im Kreis spielte laufend Volksweisen und die Honoratioren unterhielten sich

htg 05Der Eybacher Huttanz Das Stiefeltrinken Sachen zum Lachen

Der Eybacher Huttanz

Im vollen Gange war das Fest. Nun waltete aber hinter den Kulissen eine sehr wichtige Person für das Fest, nämlich der Feuerwerker, der für den Böllerschuss, besser gesagt den Glücksschuss des Tages verantwortlich war. An einer gesicherten Stelle hatte er den Böller gelagert und die Zündschnur angesteckt. Sie brannte bereits, kam der Pulverladung immer näher und dann fiel in gewaltiger Lautstärke der Schuss, der Glücksschuss für das Siegerpärchen des Festes. Dieses Paar nämlich gewann, bei dem der Bub gerade den Strauß in Händen hielt, als der Böller krachte. Man trug das gewinnende Pärchen in den Kreis, es stand im Blitzlichtgewitter der Photografen. Alles was nun auf der Stange und dem Tannenzweigkranz baumelte gehörte dem Pärchen, der Hut dem Buben und der Schal dem Mädchen. In den letzten Jahren gab es dazu noch einen Ballonwettbewerb. Auf ein bestimmtes Zeichen der Musik ließen die Kinder alle Luftballons, die sie in ihren Händen hielten, los und die bunten Lufthüllen stiegen in die Lüfte und nahmen Kurs, entsprechend der Bewegung des Windes. Inzwischen waren die Mitglieder der Huttanzgesellschaft nicht untätig. Sie leerten das hergebrachte Faß Bier, auch an die Honoratioren wurde die schäumende Halbe verteilt. Nun ging das Fest weiter, früher in den Gaststätten des Ortes, heute spielt sich so ziemlich alles in der neuen Eybtalhalle und in den Außenanlagen ab. Für die Kinder hatte man einen Vergnügungspark aufgestellt. Auch eine von der Huttanzgesellschaft ausgerichtete Tombolaauslosung vollzog sich in der Eybtalhalle, in der man sich bei den Klängen der Musikkapelle gemütlich eine Halbe oder ein Glas Wein genehmigte. 
So war es in den letzten Jahren. 
Der Ablauf hat sich aber im Laufe der Jahrhunderte und Jahrzehnte öfters gewandelt. über die Abwicklung des Festes im 17. Und 18. Jahrhundert liegen leider keine Unterlagen vor. Jedenfalls feierte man den Huttanz in den letzten Jahren des 19.Jahrhunderts ähnlich wie in heutiger Zeit, natürlich primitiver, ärmlicher und einfacher. Sehr gut erinnert sich noch der Chronist und Schreiber dieser Zeilen an die Zeit der dreißiger Jahre, als er selbst noch bei der Huttanzgesellschaft mitwirkte. In den dreißiger Jahren kam ein Mitglied der Huttanzgesellschaft auf die Idee, auch einen Huttanz für die Erwachsenen aufzuziehen. Dieser Huttanz sollte sich dann beim Bankett am Samstagabend abwickeln. Von der Gesellschaft wurde dies anerkannt und auch gleich ausgeführt. Man errichtete vor der Bühne in der alten Turnhalle einen Podest mit zwei Treppchen links und rechts. Dann flanierten die Paare der Erwachsenen im Kreis durch die Halle, bestiegen das Treppchen und verließen es wieder. Der Böller wurde gezündet und wer beim Knall auf dem Brettchen des Podestes stand, hatte gewonnen. Das Siegerpaar bekam dann ebenfalls Hut und Schal, die Dame dazu noch Blumen, Wein und Schnaps. 

Der Huttanz der Erwachsenen wurde zum festen Bestandteil in der Abwicklung am Samstagabend. Dazu stellte die Huttanzgesellschaft an diesem Abend noch ein nettes Programm zusammen. Gewandelt hat sich in den letzten Jahren auch die Tätigkeit der Huttanzgesellschaft. Die Gesellschaft erstellt seit einigen Jahren auch den Maibaum auf einen freien Platz vor dem Gasthaus Ochsen. 
Während in den früheren Jahren der Huttanz immer am 3. Oktobersonntag gefeiert wurde, wählte man seit einigen Jahren den 3. Septembersonntag, um das Eybacher Nationalfest bei schönerem Wetter feiern zu können und dies bewährte sich auch in den letzten Jahren. 
Zu bemerken ist noch, daß sich der Huttanz als einziger Brauch in der näheren und weiteren Umgebung erhalten hat, während die Hammelläufe der Albgemeinden, ebenfalls altes Brauchtum aus dem 17. Jahrhundert, kaum noch durchgeführt werden. 
Besondere Gäste beim Eybacher Huttanz sind jedes Jahr die Eybacher, die seit Jahrzehnten in der Fremde weilen, an diesem Tag aber wieder die Heimat besuchen, um das Fest mitfeiern zu können und sie lauschen wehmütig den Klängen des alten Huttanzliedes, das auch sie einmal sangen vor vielen Jahren:
Schön ist die Jugend, bei frohen Zeiten, Schön ist die Jugend, sie kommt nicht mehr. 

Walter Kummer, Ortschronist, Eybach